Fernweh
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Unser Hasenmobil
11. September 2017

Wie hatte das mit dem Reisen im Wohnmobil nun eigentlich angefangen? Freiheit hatten wir gesucht, weg vom Club-Hotel Pauschal Urlaub mit festgelegten Mahlzeiten und gruseligem Abend-Entertainment-Programm.

>>Wer sich hier überzeugen möchte, dass es „The Walking Dead“ schon wirklich lange gibt muss nur einmal das abendliche Szenario z.B. auf Ibiza am englischen Strandhotel in San Miguel erdulden…Unfassbar wirklich…

Individuell reisen, Gleichgesinnte treffen, den Tag im eigenen Biorhythmus leben so etwa hatten wir uns (naiver Weise) das Campen vorgestellt. Nachdem wir dem besagten Hotelurlaub müde geworden waren und nun auch einen Weg suchten unseren Hund Nero mit in dem Urlaub zunehmen (Tierpension oder das Einpferchen eines Familienmitgliedes in einen Laderaum kommt für uns nicht in Frage) sollte sich das Reisen mit dem Wohnmobil als optimale Lösung offenbaren.

 

Gesagt getan. Da wir das Ganze zunächst testen wollten, um sicher zugehen das diese neue Form des Urlaubs etwas für uns ist waren wir uns schnell einig ein Wohnmobil für unseren nächsten Sommerurlaub zu mieten. Nach Schweden sollte es gehen. Das Wetter verhieß für skandinavische Verhältnisse traumhaft zu werden und wir waren gespannt auf die schöne Landschaft. Leider sollte dies jedoch ein Urlaub zum Abgewöhnen werden…

 

Bei einigen Händlern in unserer Nähe wurden Wohnmobile zur Miete angeboten. Nach einem kurzen Preisvergleich haben wir uns für den günstigeren Anbieter entschieden. Obwohl anzumerken ist, dass die Preise in der Hauptsaison, an die wir leider zu der Zeit gebunden waren, generell sehr überteuert und nach meiner Auffassung absolut unverschämt sind, da sie locker mit jedem einfachen Hotelzimmer bzw. Appartement mithalten können. Aber uns wurde ja immerhin ein neuwertiges und gut ausgestattetes Modell versprochen. So fieberten wir nach der Reservierung aufgeregt unserem ersten Urlaubstag entgegen.

Als es dann endlich soweit war machten wir uns gleich morgens voller Vorfreude auf den Weg, um das Mietmobil abzuholen.

Als wir ankamen stand zwar unser Gefährt für die nächsten 2,5 Wochen auf dem Hof, allerdings war niemand weit und breit zu sprechen der sich für uns zuständig fühlte. Also standen wir erst einmal eine gefühlte Ewigkeit wie bestellt und nicht abgeholt herum bis sich nach wiederholtem Nachfragen ein junger Mann erbarmte uns eine Einführung zu geben. Schließlich waren wir auf dem Gebiet blutige Anfänger und brauchten einige Infos wie man das mit der Ver- und Entsorgung und so weiter so macht und was man sonst noch wissen sollte.

Der Mitarbeiter war freundlich und hilfsbereit jedoch bei seinen Ausführungen relativ kurz angebunden. Schließlich zog er mit spitzen Fingern angewidert die Toilettenkassette heraus und schnaufte: „…Igitt… das Teil fasse ich nicht an….!“

Auf unsere fragenden Blicke antwortete er dann, dass er eigentlich Azubi in der Werkstatt sei und mit den Wohnmobilen wenig bis nix zu tun habe. Ihm wurde lediglich aufgetragen uns das Teil zu erklären. Daher kenne er sich nicht wirklich aus und vor der Toilette hat er einen absoluten Ekel. Aha…

Naja…also nicht sehr seriös das Ganze, aber angeblich war weiter niemand da und somit war mit mehr Information in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Da wir nicht zu den Leuten gehören die unschuldige Menschen für Dinge verantwortlich machen, die andere Personen insbesondere deren Vorgesetzte verplant haben, ließen wir es darauf beruhen und fuhren mit der Annahme schon irgendwie klar zu kommen mit dem Mietmobil vom Hof.

 

Zu Hause angekommen ging es nun ans Einräumen. Nach kurzer Zeit zeigten sich bereits die ersten Schwierigkeiten. Die Heckklappe war lediglich ein schmaler Schlitz und um das Mobil zu beladen musste man wie ein Höhlenforscher langsam auf allen vieren in das Innere kriechen. Definitiv schon mal nix für Leute mit Rückenleiden oder etwas mehr auf den Rippen. Von Innen ließ sich die Heckgarage auch kaum besser erreichen, da sich das sauschwere Bett, dank einiger darüber angebrachten Hängeschränke nur in einem minimalen Winkel nach oben klappen ließ. Funktioniert hat das Ganze dank des Gewichts sowieso nur wenn man sich zu zweit in den schmalen Durchgang quetscht, eine Person das Bett hochhielt, während der Andere wie Quasimodo in der Garage kramte. Keine Ahnung wie man so etwas konstruieren und dann auch noch in den Handel bringen kann. Und wir reden hier von einem in der Branche renommierten Hersteller, der eher zur Sparte der Hochpreisigen gehört.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, einige blaue Flecke reicher, mittlerweile war bereits die Dämmerung eingebrochen, hatten wir endlich alles gepackt und eingeladen. Zum Glück hatten wir frühzeitig festgestellt, dass uns der Händler eine völlig desolate Kabeltrommel mitgegeben hatte. Unmöglich. Zumindest hatten wir so noch die Chance unsere eigene mitzunehmen. Absolut lebensgefährlich das Gerät. Fing also schon mal gut an alles. Leicht genervt machten wir uns auf den Weg Richtung Norden.

 

Nach einer Übernachtung bei einem Sportplatz bei Flensburg (ehrlich gesagt war uns in der ersten Nacht schon etwas mulmig, nicht zuletzt wegen der vermeintlich zischenden Gasanlage und des rumpelnden Kühlschranks) setzten wir unsere Reise fort.

Schließlich kamen wir in Schweden an. Nach einigen schönen sonnigen Tagen schlug das Wetter zügig um. Einsetztender Regen und heraufziehende Kälte nötigten uns schließlich die weiteren Tage vorrangig im Inneren des Mietmobiles zu verbringen.

Der Frust über das Wetter, schließlich hatte Schweden quasi bis zur unserer Anreise DEN Jahrhundertsommer genießen dürfen wie uns Einheimische berichteten, wurde ergänzt durch einen pubertierenden Junghund und dem…nun ja….ungemütlichen Wohnmobil.

Die Sitzbank sowie die Fahrersitze waren total unbequem, die Tür zum Bad verklemmte sich ständig und es stank fürchterlich aus dem Abfluss obwohl wir kaum mit Wasser im WoMo hantierten und das wenige Nass im Tank regelmäßig leerten.

Dazu kam noch, dass wir ständig über die Hundebox steigen mussten, die leider nur in den Eingangsbereich passte. Dies war zwar nicht dem Wohnmobil geschuldet, jedoch gefiel uns die Aufteilung in dem Ding überhaupt nicht, da im hinteren Teil alles ziemlich verbaut und damit auch sehr schummerig gewesen ist. Gab ja auch nur ein Fenster.

 

Was darauf noch folgte war ein eskalierender Vollidiot namens Nero, der unsere Stimmung dann vollends vermieste. Es reichte nicht uns jeden Passanten sowie den ganzen Platz zusammen zu bellen. Nein, er musste stiften gehen, ab in Wasser, wobei er mit seinem Geschirr an einer Boje hängen blieb. So hatte ich das Vergnügen ihn bei gefühlten 5 ° Wassertemperatur unter einsetzender Schockstarre von dem Schnur- und Hakengewirr ab zu puhlen. Seine gewonnene Freiheit nutzte er sofort um eine Spaziergängerin anzuspringen, die wohl Angst vor Hunden hatte und hysterisch anfing zu kreischen. Zum krönenden Abschluss bellte er uns darauf hin unaufhörlich an. Ich muss gestehen, dass ich Nero an diesem Tag in diesem Moment am Liebsten einfach dagelassen hätte.

Da das Wetter immer schlechter wurde verharrten wir den restlichen Teil des Urlaubes auf Oelland wo es laut Wetterbericht noch Temperaturen im zweistelligen Bereich gab. Nebenbei erwähnt, es war August. Auf den Campingplätzen waren wir nahezu alleine, quasi Saisonende und wir saßen die meiste Zeit mit unserem durchgeknallten Hund in dem stinkenden dunklen Wohnmobil und froren „Heizung braucht ihr ja eh nich…is ja Sommer…“ klang mir noch von der professionellen Einweisung beim Händler im Ohr.

 

So war das…Eigentlich sollte man meinen, dass wir nach diesem Reinfall mit dem 1A spitzen Wohnmobil wir nie wieder freiwillig ein solches betreten würden.

Ich kann nicht genau sagen warum, aber trotz der schlechten Erfahrung und dem Pech mit dem Händler, der uns ein blödes Restposten-Mobil, welches aus verständlichen Gründen keiner haben wollte angedreht hatte und es noch nicht mal für nötig erachtete uns eine vernünftige Einweisung zu geben , hatte es uns irgendwie gepackt.

 

Obgleich der negativen Erlebnisse, da waren wir uns kurzer Hand einig wollten wir uns ein eigenes Wohnmobil anschaffen. Durch das nach unserer Auffassung dämlich konstruierte Mietmodell waren wir bereits etwas schlauer und hatten für unser eigenes Gefährt ganz konkrete Vorstellungen und Anforderungen. Vor allem wussten wir auch ganz genau was wir nicht wollten.

Jedoch beschränkte sich unser Wissen und somit unser Augenmerk auf normale Wohnmobile oder auch sogenannte „Weißware, Joguhrtbecher, Tupper, usw.“ wie manche wenig liebevoll sagen. Dass es noch ganz andere Möglichkeiten gibt hatten wir derzeit überhaupt nicht auf dem Schirm.

Zum damaligen Zeitpunkt erfüllte ein herkömmliches Wohnmobil den gewünschten Zweck nämlich zum Vereisen im Rahmen des Jahresurlaubes. Offroad-fahren , abseits der Masse Freistehen (warum auch, ist doch bestimmt total cool auf Campingplätzen….tja spätere Erfahrungen sollte uns etwas besseres lehren….) oder gar Überlegungen einmal in einem Wohnmobil leben zu wollen, standen absolut nicht zu Debatte.

 

Schließlich begann die Suche. Zunächst sahen wir uns bei hiesigen Händlern sowie auf den einschlägigen Internetportalen um. Bald stellten wir fest, dass die besichtigten Angebote entweder günstig, dafür restaurierungswürdig und ziemlich versifft oder so teuer waren, dass man sich auch beinahe etwas Neuwertiges kaufen könnte. Weder wollten wir eine Kneipe auf vier Rädern und noch trauten wir den ehemaligen Mietmobilen, welche sicher bereits unter zahlreichen Kunden leiden mussten. Irgendwie war alles unbefriedigend.

Was waren die Alternativen? Warten bis uns etwas Passendes vor die Füße rollen würde? Eine nagende Ungeduld meldete sich bereits penetrant im Unterbewusstsein.

Da bekamen wir von unserem damaligen Nachbar, selbst passionierter Camper den Tipp auf den bevorstehenden Caravan Salon nach Düsseldorf zu fahren um uns dort nach einem geeigneten Wohnmobil für uns um zu sehen. Wir können ja mal gucken, dachten wir uns und mieteten uns kurzer Hand ein Hotelzimmer vor Ort…

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